Cyber Security: Was ist der Unterschied zwischen XDR und EDR?

Inhaltsverzeichnis
Was ist XDR?
Was bedeutet XDR?
Warum XDR wichtig ist
Die Entwicklung von EDR zu XDR: Ist XDR besser als EDR?
Fazit
Auf einen Blick: EDR vs. XDR
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Nächste Schritte
Acronis Cyber Protect
ehemals Acronis Cyber Backup

Was ist XDR?

Bei Extended Detection and Response (XDR) handelt es sich um ein Sicherheitsframework, das die Erkennung, Untersuchung und Reaktion für verschiedene Angriffsvektoren zusammenführt. Im Gegensatz zu Endpoint Detection and Response (EDR), das sich nur auf Endpunktaktivitäten konzentriert, werden bei XDR Telemetriedaten von Endpunkten, Netzwerken, Cloud-Workloads, Identitätssystemen und E-Mails erfasst. Dadurch wird eine zentrale Übersicht über die Bedrohungen in der gesamten Umgebung ermöglicht.

Anstatt für einzelne Ereignisse Warnmeldungen auszugeben, korreliert XDR Ereignisse aus verschiedenen Ebenen miteinander, um vollständige Angriffsketten aufzudecken. Ein Beispiel hierfür ist eine Phishing-E-Mail, die zunächst zu einer Kompromittierung des Endpunkts und anschließend zu einer lateralen Bewegung im Netzwerk führt. Diese Korrelation hilft Analyst:innen, den Kontext schneller zu verstehen, und reduziert Fehlalarme.

Zu den wichtigsten Fähigkeiten gehören:

  • Vektorübergreifende Telemetriedatenerfassung: Transparenz über Endpunkte hinaus auf Cloud-, E-Mail-, Identitäts- und Netzwerkebene
  • Analyse und Korrelation: Mithilfe von Verhaltensanalyse und Machine Learning lassen sich selbst komplexe, mehrstufige Angriffe erkennen
  • Koordinierte Reaktionsmaßnahmen: Mithilfe automatisierter Workflows können kompromittierte Geräte isoliert, bösartige Domains blockiert, Konten gesperrt und Änderungen zurückgesetzt werden
  • Ein Dashboard für alle Vorfälle: Es werden genauere Warnmeldungen mit vollständigem Kontext ausgegeben. Dadurch werden Fehlalarme reduziert und Alarmmüdigkeit vorgebeugt

XDR ist besonders wertvoll für Sicherheitsteams und Service Provider, die hochentwickelte Bedrohungen erkennen, Alarmmüdigkeit vorbeugen und Reaktionszeiten verkürzen müssen, aber nicht mehrere getrennte Tools einsetzen wollen. Acronis XDR kombiniert die Vorteile von XDR mit integrierter Data Protection und Datenwiederherstellung. So werden nicht nur die Erkennung und Reaktion, sondern auch die Geschäftskontinuität sichergestellt.

Was bedeutet XDR?

XDR wurde für Unternehmen entwickelt, die ihre isolierten Sicherheitstools ersetzen möchten und einen umfassenden Überblick über die Ausbreitung von Bedrohungen in ihren Umgebungen benötigen. Sicherheitsteams stellen sich häufig die Frage: „Wie hängen eine Phishing-E-Mail, ein kompromittierter Endpunkt und laterale Bewegungen im Netzwerk zusammen?“ Genau dieses Problem löst XDR.

Im Folgenden erklären wir, was die einzelnen Komponenten von XDR bedeuten:

(X) Extended

  • XDR geht über reine Endpunktlösungen wie EDR hinaus. Diese sind nach wie vor von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit auf Gerätebene
  • Der Schutz wird auf Cloud-Workloads, E-Mails, Netzwerkverkehr, Identitätssysteme und verbundene Infrastruktur erweitert
  • Aktivitäten werden über diese Ebenen hinweg korreliert, um kontextreiche Angriffsketten zu erstellen und aufzuzeigen, wie sich ein einzelnes Ereignis zu einer größeren Sicherheitsverletzung entwickeln kann

(D) Detection

  • Diese Komponente aggregiert Telemetriedaten aus mehreren Vektoren, um Bedrohungen aufzudecken, die ansonsten wie unbedeutende, nicht miteinander in Zusammenhang stehende Warnmeldungen erscheinen würden
  • Analyst:innen erhalten einen zentralen Überblick über alle verdächtigen Aktivitäten wie beispielsweise den Diebstahl von Anmeldedaten, Rechteausweitungen oder die Exfiltration von Daten
  • Menschliches Fachwissen wird ergänzt, nicht ersetzt. Warnmeldungen werden priorisiert und Analystenteams erhalten umsetzbare Kontextinformationen, so dass sie Untersuchungen schneller durchführen können

(R) Response

  • Ermöglicht koordinierte Maßnahmen über Systemgrenzen hinweg, nicht nur Warnmeldungen
  • Unterstützt automatisierte oder geführte Behebungsmaßnahmen, wie beispielsweise die Isolierung kompromittierter Endpunkte, die Blockierung bösartiger Domains, die Sperrung von Konten oder das Zurücksetzen nicht autorisierter Änderungen
  • Bedrohungen werden schneller aus der Umgebung entfernt und die potenziellen Auswirkungen hochentwickelter Angriffe werden begrenzt

Warum XDR wichtig ist

XDR basiert auf EDR, bietet jedoch erweiterte Transparenz über Systemgrenzen hinweg, korreliert Ereignisse zu einem vollständigen Angriffsverlauf und ermöglicht schnellere und effektivere Reaktionen. Damit gibt XDR Unternehmen, die mit zunehmender Komplexität und Alarmmüdigkeit konfrontiert sind, die nötige Klarheit und Kontrolle, um komplexen Bedrohungen stets einen Schritt voraus zu sein.

Acronis XDR integriert diese Funktionen mit integrierter Data Protection und Datenwiederherstellung. Damit bietet es Sicherheitsteams nicht nur die nötigen Tools zur Erkennung und Reaktion, sondern auch zur Wiederherstellung der Geschäftskontinuität nach einem Vorfall.

Die Entwicklung von EDR zu XDR: Ist XDR besser als EDR?

EDR bildet das Fundament moderner Sicherheitsmaßnahmen und ermöglicht es Teams, Bedrohungen direkt auf den Endpunkten zu erkennen, zu untersuchen und zu beheben. EDR korreliert Telemetriedaten von Geräten, z. B. Informationen über die Erstellung von Prozessen, Dateiänderungen und Registry-Veränderungen, um böswilliges Verhalten aufzudecken. Diese Transparenz ist insbesondere bei Bedrohungen auf Workstation- oder Server-Ebene unerlässlich.

Die Vorgehensweise bei Angriffen hat sich jedoch verändert. Laut dem „2024 Verizon Data Breach Investigations Report“ begann in 24 % der Fälle die Sicherheitsverletzung mit gestohlenen Anmeldedaten. Cyberkriminelle hören nicht auf, nachdem sie einen Endpunkt kompromittiert haben. Stattdessen bewegen sie sich lateral in der Umgebung weiter, erweitern ihre Rechte und dringen in Cloud-Workloads, SaaS-Apps und Identitätssysteme ein. Diese seitlichen Bewegungen werden von reinen Endpunktsicherheitslösungen jedoch nicht erkannt.

Wo EDR an seine Grenzen stößt

  • Erfassungsbereich: Die EDR-Telemetrie ist auf Geräte beschränkt. Sie erfasst keine Authentifizierungsereignisse, SaaS-Zugriffsprotokolle oder Anomalien auf Netzwerkebene
  • Blinde Flecken: Angriffe, die von Cloud-Apps, E-Mail-basierten Phishing-Kampagnen oder nicht überwachten IoT-Geräten ausgehen, können die Endpunktüberwachung vollständig umgehen
  • Zu viele Einzellösungen: Unternehmen nutzen heute mehrere Einzellösungen – EDR, SIEM, NDR und CASB –, die jeweils isoliert voneinander arbeiten. Das führt zu einer Flut von Warnmeldungen und übersehenen Zusammenhängen
  • Strengere Compliance-Anforderungen: Die Vorschriften verlangen zunehmend eine kontinuierliche Überwachung aller Workloads und nicht nur der Endpunkte. EDR allein reicht somit nicht mehr aus

Warum XDR entstanden ist

XDR baut auf den Stärken von EDR auf und erweitert die Erkennung und Reaktion um weitere Kontrollpunkte. Anstatt nur korrelierte Ereignisse auf Endpunkten zu analysieren, korreliert XDR Ereignisse aus verschiedenen Systemen miteinander.

  • Datenquellen: XDR erfasst Ereignisse auf Endpunkten, in Identitätssystemen (Active Directory, Azure AD), im Netzwerkverkehr, in SaaS- und Cloud-Workloads, auf IoT-/OT-Geräten sowie in E-Mails
  • Korrelation: Durch fortschrittliche Analysen werden unabhängig voneinander auftretende Ereignisse zu einem einzigen Angriffsszenario verbunden. Ein Beispiel hierfür ist: Phishing-E-Mail → Verwendung von Anmeldedaten in einer SaaS-App → laterale Bewegung über das Remote Desktop Protocol (RDP) → Datenexfiltration in einen Cloud-Storage
  • Reaktion: Ermöglicht koordinierte Maßnahmen wie die Blockierung von Anmeldeversuchen, die Isolierung von Geräten, die Sperrung von Konten und den Widerruf von Token – und das nicht nur auf dem Endpunkt, sondern über mehrere Systeme hinweg

Konkretes Beispiel

Ein Sicherheitsteam, das ausschließlich EDR nutzt, könnte eine Warnmeldung wegen ungewöhnlicher PowerShell-Aktivitäten auf einem Gerät erhalten. XDR würde dieses Ereignis mit folgenden weiteren Ereignissen in Zusammenhang bringen:

  • Anmeldung in Microsoft 365 von einem ungewöhnlichen Standort aus
  • Rechteausweitung in Active Directory
  • Ungewöhnliche Datenzugriffe im Cloud-Storage

Anstelle von drei unzusammenhängenden Warnmeldungen gibt XDR eine einzige, zusammenhängende Angriffskette aus. So haben Analystenteams den vollen Überblick und können Bedrohungen schneller eindämmen.

Fazit

  • EDR = geräteorientierter Schutz (unverzichtbar, aber begrenzt)
  • XDR = systemübergreifende Korrelation (Endpunkt + Identität + Cloud + Netzwerk + E-Mail)

Moderne Bedrohungen können sich frei zwischen Workloads und Konten bewegen. XDR schafft die nötige Transparenz, liefert den erforderlichen Kontext und bietet automatisierte Reaktionsmöglichkeiten, über die EDR nicht verfügt.

Acronis XDR kombiniert diese Fähigkeiten mit integrierten Backup- und Recovery-Funktionen. So können Unternehmen selbst im Falle eines erfolgreichen Angriffs wichtige Systeme und Daten ohne Ausfallzeiten wiederherstellen.

Auf einen Blick: EDR vs. XDR

Funktion
EDR
XDR
Fokus
Endpunkte (Laptops, Server)
Mehrere Angriffsflächen (Endpunkte, Netzwerk, Cloud, E-Mail, Identitäten, IoT)
Erfassungsbereich
Telemetriedaten nur auf Geräteebene
Systemübergreifende Transparenz und Korrelation
Reaktion
Isolierung oder Behebung von Bedrohungen auf Endpunkten
Orchestrierte Reaktion über alle Systeme hinweg

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was sind die Vorteile von XDR gegenüber EDR?

XDR korreliert Ereignisse, die auf Endpunkten, in Netzwerken, Cloud-Apps, E-Mails, Identitätssystemen sowie auf IoT-Geräten erfasst wurden. EDR beschränkt sich dagegen auf die alleinige Überwachung von Endpunkten. Mit XDR erhalten Sicherheitsteams keine isolierten Endpunktwarnungen, sondern einen umfassenden Überblick über den gesamten Angriffsablauf in der gesamten Umgebung. Dadurch können Bedrohungen, die EDR übersehen würde, effektiver identifiziert werden.

Acronis XDR bietet diese ganzheitliche Transparenz und ermöglicht eine schnellere und genauere Erkennung von Bedrohungen als reine Endpunktsicherheitslösungen.

Kann XDR SIEM ersetzen?

Nein, denn die Stärken von XDR liegen in der Echtzeit-Erkennung von Bedrohungen und der automatisierten Reaktion darauf. SIEM legt hingegen den Fokus auf die langfristige Protokollverwaltung, Compliance-Berichte und forensische Untersuchungen. Beide Technologien ergänzen sich: XDR verkürzt die Zeit bis zur Erkennung und Reaktion, während SIEM die Einhaltung von Vorschriften und Audit-Anforderungen sicherstellt.

Acronis XDR lässt sich nahtlos in SIEM-Plattformen integrieren, so dass Unternehmen die Vorteile beider Technologien nutzen können, ohne doppelte Arbeit zu haben.

Ist XDR auch für kleine Unternehmen geeignet?

Ja, aber nur mit Einschränkungen. Cloud-native XDR-Lösungen bieten KMUs eine gute Skalierbarkeit und sind in der Regel kostengünstiger als der Einsatz mehrerer Einzellösungen. Für eine effektive Implementierung und Verwaltung von XDR ist jedoch nach wie vor Sicherheitsexpertise erforderlich. MDR-Services (Managed Detection and Response) können diese Lücke schließen, indem sie kleinere Teams mit ausgelagerten Analystenteams unterstützen. Diese überwachen das Unternehmen rund um die Uhr und reagieren bei Bedrohungen.

Acronis bietet XDR mit MDR-Unterstützung und ermöglicht somit auch KMUs mit kleinen IT-Teams Schutz auf Enterprise-Niveau.

Benötige ich ein Sicherheitsteam, um XDR nutzen zu können?

Ja. Um XDR effektiv zu nutzen, benötigen Sie in der Regel ein eigenes Security Operations Center (SOC) mit mindestens sechs bis acht Analyst:innen, um einen Rund-um-die-Uhr-Schutz zu gewährleisten. Alternativ können Sie einen Managed Service Provider beauftragen. Zwar bieten einige Plattformen benutzerfreundliche Oberflächen, doch realistisch gesehen kann eine einzige Person die Erkennung und Reaktion auf Unternehmensebene nicht alleine verwalten. Für Unternehmen ohne SOC ist daher MDR die sinnvollere Lösung.

Bei der Entwicklung von Acronis XDR wurde MDR berücksichtigt. Dadurch können auch Teams ohne voll ausgestattetes SOC von kontinuierlichem Schutz profitieren.

Wie viele Daten kann XDR verarbeiten?

XDR-Plattformen sind so konzipiert, dass sie sich an Ihre Umgebung anpassen. Sie können riesige Mengen an Telemetriedaten von Endpunkten sowie aus Clouds und Netzwerkebenen erfassen und verarbeiten. In der Praxis kann XDR so viele Telemetriedaten verarbeiten, wie ein Unternehmen für eine effektive Überwachung benötigt. Die Grenzen hängen dabei in erster Linie von der Architektur und dem Preismodell des jeweiligen Anbieters ab.

Acronis XDR passt sich Ihren Datenmengen an und sorgt dafür, dass die Transparenz auch dann erhalten bleibt, wenn Ihr Unternehmen wächst.

Nächste Schritte

XDR ist die nächste Generation der Bedrohungserkennung und -abwehr. Die Technologie erweitert die Transparenz, indem sie Endpunkte, Netzwerke, Clouds, E-Mails und Identitätssysteme überwacht. Unternehmen, die EDR und XDR vergleichen, sollten sich daher fragen, ob ihnen ein reiner Endpunktschutz ausreicht oder ob sie eine umfassendere, korrelierte Übersicht über ihre gesamte Umgebung benötigen.

Wenn Sie sich für XDR-Lösungen interessieren, bietet Ihnen Acronis XDR einen modernen, integrierten Ansatz, der die Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung in einer einzigen Plattform vereint. Das reduziert Ausfallzeiten und Komplexität.

Über Acronis

Acronis ist ein Schweizer Unternehmen, das 2003 in Singapur gegründet wurde. Das Unternehmen hat weltweit 15 Standorte und beschäftigt Mitarbeiter:innen in über 50 Ländern. Acronis Cyber Protect Cloud ist in 26 Sprachen in 150 Ländern verfügbar und wird von mehr als 21,000 Service Providern zum Schutz von über 750,000 Unternehmen eingesetzt.